Vortrag von Herrn M. Jandrlic
Samstag, den 26. März 2011 um 17:23 Uhr
Bibliothek
Einen Leitfaden in der bald unendlichen Flut von Kinderbüchern spann Kinderbuchautor Mladen Jandrlic in seinem Vortrag. Die Quintessenz: Die Bücher sollen die kleinen und grossen Leser zum Nachdenken anregen.
Wie sieht ein hungriger Bär aus? Wie ein satter Bär? Und wie ein nachdenklicher Bär? Kurzum: was ist ein gutes Kinderbuch? Diesen Fragen widmete sich am Freitagabend, den 18. März Mladen Jandrlic, der unter dem Namen Karl Rühmann schon einige Kinderbücher veröffentlich hat. Er folgte damit einer Einladung der Gemeinde- und Schulbiliothek Rheinau und wurde von der Bibliotheksleiterin Carla Höhn im oberen Kindergarten begrüsst.
Die Fantasie nicht bremsen
Der 52-jährige Dozent, Lektor, Lizenzmanager, Inhaber einer Lizenzagentur und Kinderbuchautor entführte die rund 30 Anwesenden (ausschliesslich weiblichen Geschlechts, mittleren Alters, Mütter ,Bibliothekarinnen und zum Teil aus pädagogischen Berufen) in die Fantasiewelt der Kinder. Anhand guter und schlechter Beispiele zeigte er, worauf es seiner Meinung nach bei einem guten Kinderbuch ankommt.
Zusammenfassend: In einem Bilderbuch sollten Bilder und Text gleichwertig sein. Spannung entstehen. Das Bild sollte den Text weiterspannen, neu interpretieren - Fantasie des Kindes weiterführen, nicht bremsen. "Ein gutes Bild zeigt nicht nochmals, was im Text steht, sondern das Potenzial des Textes. Ein guter Illustrator muss erzählen", führte Jandrlic aus und zeigte wie ein hungriger, satter und nachdenklicher Bär im Kinderbuch aussehen könnte. Der Kinderbuchautor stellte einige empfehlenswerte Bilderbücher vor: "Meine Katze", Der Engel und das Kind", Der Apfelkönig", "Pieps" und "Du hast aber Glück gehabt", die von Sybille Hein illustrierte Geschichte vom Teufelchen Loki, dem wegen des Schutz-engelchens des Menschen Anton partout nichts gelingen will.
Während er die von Peter Urbscheit geschriebene und von Aljoscha Blau illustrierte Version des Märchens "Hans und die Bohnenstange" vorstellte, sagte Jandrlic: "Es gibt wenige Chancen im Leben, von einem Kind etwas zu lernen. Eine ist, wenn wir mit dem Kind zusammen ein gutes Bilderbuch anschauen. Wir Erwachsenen sehen nicht alles, das Kind macht uns auf die Dinge aufmerksam." Und weiter: "Gute Bilderbücher sollen irritieren." Die Erwachsenen würden die Kinder oft unterschätzen, so Jandrlic.
Auch Thema wie der Tod
Jandrlic zitierte den Schriftsteller Franz Kafka: " Ein jedes gute Buch ist wie die Axt gegen das gefrorene Meer in uns". So empfahl der Bilderbuchautor auch Bücher wie "Indianerjunge kleiner Mond", das finnische Bilderbuch "Eemis Trauerschuhe" oder das von Wolf Erlbruch illustrierte "Ente, Tod und Tulpe" - Bücher, in denen auch der Tod thematisiert wird - ein Thema, zu dem auch Erwachsene keine umfassende Antwort kennen, das aber anhand von guten Bilderbüchern mit den Kindern behandelt werden kann.
Infos zum Buch: http://www.mit-bilderbuechern-waechst-man-besser.de
Mit Bilderbüchern wächst man besser
Mladen Jandrlic hat mit Nicola Bardola, Susanna Wengeler und Stefan Hauck das Buch "Mit Bilderbüchern wächst man besser" verfasst. Darin wird erläutert, wie wichtig es ist, dass Kinder gute Bilderbücher lesen. Dieses Buch dient Jandrlic als Vorlage zu seinen Vorträgen.
Einige Thesen aus dem Buch: "Bilderbücher fördern das Familienleben, weil das gemeinsame Anschauen und Vorlesen Geborgenheit schaffen und ein bei Kindern geliebtes Ritual sind. "Bilderbücher sind der Grundstein für Sprach- und Lesekompetenz des Kindes und damit unnverzichtbar für die Ausbildung der Persönlichkeit des Kindes." "Bilderbücher fördern die kognitive und emotionale Beobachtungsgabe des Kindes und erweitern den Wortschatz durch gemeinsames Anschauen und Vorlesen." "Bilderbücher sind für das Kind die erste, dank überschaubarem Text und unterstützenden Bildern nachhaltig lust- und genussvolle Begegnung mit Literatur."


